Die richtige Köderwahl

Die richtige Wahl

Ich wollte mal wieder ein Wochenende ans Wasser, machte aber meine Entscheidung vom Spiel der Deutschen Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Spanien abhängig. Der Ausgang des Spiels begeisterte mich in zweierlei Hinsicht nicht wirklich. Erstens hätte ich unsere „Jogi-Elf“ lieber im Finale gesehen, zum Anderen hätten sie dann erst Sonntags gespielt, was besser für die Session gewesen wäre, da ich eh nur bis Sonntagsmorgens gehen konnte wegen meiner Arbeit.

Mittwochsmorgens gegen 10 Uhr rief ich bei Lucas, einem Jung-Karpfen-Angler aus unserem Verein, an und erzählte ihm von meinem Vorhaben das Wochenende am Wasser zu verbringen. Natürlich musste ich kein zweites Mal fragen, ob er Lust hätte mit zukommen.

Donnerstagsmorgen, als dann feststand, dass „unsere Jungs“ schon Samstag spielen würden, telefonierte ich erneut mit Lucas wegen dem genauen Ablaufplan unseres WE-Trips. Wir beschlossen Freitagsnachmittags zu starten und Samstagsabends fürs Spiel wieder zu Hause zu sein.

Abends ging ich dann raus zum füttern. Ich legte einen Futterplatz ca.2m vom Ufer im knapp 2,5m tiefen Wasser an. Darauf wollte ich mit 2 Ruten fischen, die Erste mit einem Single-Hookbait und die Zweite mit einem Single und einem Maiskorn Imitat der Firma Enterprise. Als Boilies vertraute ich den Oriental Flash von Carpodrom. Meinen zweiten Futterplatz erzeugte ich kurz vor einem Schongebiet, da ich dachte, dass dort die Fische vorbei ziehen würden. Ein Teppich aus Fruit Punch Boilies, ebenfalls von Carpodrom, sollte die Fische anlocken. Darauf würde ich meine dritte und letzte Rute mit einer Snowman-Montage fischen. Lucas Hot-Spot befand sich ca.30m Richtung Seemitte, bei einer Tiefe von ca. 1.6m. Wiederum Carpodom Boilies, diesmal aber Purple Haze sollte hier die Bissanzeiger zum Piepsen bringen. So der Plan.

Freitags nach meiner Frühschicht ging es dann ans packen. Mein Kombi war mal wieder bis unters Dach gefüllt. Gegen 15:30 Uhr ging es dann endlich Richtung See. In diesen 20 min Autofahrt, gingen mir wieder die typischen Fragen, die ihr wahrscheinlich auch alle kennt, durch den Kopf: Hab ich den richtigen Platz, die richtige Anfüttertaktik…gewählt, sitzt schon jemand Anderes auf „meinem“ Platz usw.

Am Wasser angekommen bekam ich auch schon die erste Antwort. Puh, der Platz ist frei. Glück gehabt. Also machte ich mich schnell wie schon hunderte Male vorher ans Aufbauen meines Tackles. Ein letzter kritischer Blick Pot, Ruten, Bivy alles an seinem Platz. Jetzt kann Lucas kommen dachte ich gerade, als meine Gedanken durch das rufen meines Bissanzeigers durchbrochen wurden. Vollrun und das schon nach einer knappen Stunde, fängt ja gut an. Spurt an die Rute, Anhieb, hängt… alles lief ziemlich gesteuert ab. Nach kurzem aber heftigen Drill konnte ich mich um 18:00 über die ersten Bilder mit einem 8-pfündigem Schuppi freuen.

Fruit Punch hieß der Köder des Erfolgs. Ich hatte den „Kleinen“ gerade in sein Element zurückgelassen, als Lucas mit etwas Verspätung eintraf. Ich montierte neue Boilies und warf die Montage wieder auf den Platz. Eine Handvoll Murmeln dazu und die Falle ist wieder scharf geschaltet.

In der Zeit des Wartens half ich Lucas sein Tackle aufzubauen. Voller Stolz präsentierte er mir seine neuen Funkbissanzeiger, die er 2 Tage zuvor zu seinem 13 Geb. bekommen hatte. Hoffentlich werden wir sie in Aktion erleben dachte ich als gegen 20:10 Uhr erneut mein Piepser nach mir rief. Diesmal jedoch auf dem anderen Futterplatz. Nach dem Anhieb übergab ich meine Rute Lucas um ihm einen kleinen Vorgeschmack zu geben, was ihn vielleicht noch erwartet.

Kurz nach der Übergabe verfing sich der Karpfen aber in der Schnur eines Vereinskammeraden, sodass ich schnell die Rute wieder übernahm. Trotz allen Versuchen konnte sich der Fisch lösen und so stand es 1:1. Ich brauchte nur wenige aufmunternde Worte für Luci, der das Ganze lockerer sah als ich dachte. Neu montiert flog diese Montage gen Futterplatz. Nun hieß es wieder warten, warten, warten…

Die Kirchturmuhr schlug gerade 20:30 Uhr als sich das schöne Geräusch meines Bissanzeigers einmischte. Hängt, rief ich Lucas zu. Als er neben mir, bereit mit dem Kescher in der Hand stand, waren wir uns, anhand der Rutenbiegung, sicher, dass dies ein Besserer ist. Ich hatte den Fisch gerade über den Rand meines Keschers gezogen, als Lucas seine Bissanzeiger mit einem Vollrun einweihte. Mach langsam und bleib ruhig reif ich noch hinterher, wobei ich mir sicher war, dass er es nicht mehr hörte. Doch diesmal lief alles Anders. Vorbildlich konnte er seinen Schuppi zum Ladgang überreden. Da lagen sie nun, 2 wunderschöne Schuppis von 20 und 10 Pfund.

Gegen 22:oo Uhr hieß es erneut Fruit Punch Alarm. Doch kurz danach blieb die Schnur an einem Hinternis hängen. Jetzt packte mich noch mehr der Ehrgeiz.

Der weitere Abend verlief dann bei Pizza und kühlen Getränken ruhig. Das Wasser glich einem Spiegel, welcher nur ab und zu von Fischaktivitäten durchbrochen wurde. Gegen 23:30 Uhr legten wir uns dann nach einem fischreichen Anfang auf`s Ohr. Es war kurz vor 03:00 als meine Funkbox mich aus dem Schlaf riss. Lucas Lucas rief ich, doch der Kleine blieb im Traumland. Nach wenigen Sekunden des Drill verabschiedete sich der Karpfen mit einem zielsicheren Schlag mit seiner Schwanzflosse auf meine Schnur. Enttäuscht aber trotzdem glücklich über den Biss legte ich mich wieder auf meine Liege, schaute noch kurz auf die Uhr 03:10 Uhr und zog die Decke über mich. Im selben Moment Vollrun!!! Also wieder raus und los geht`s. Diesmal hatte ich beim wecken von Lucas und dem anschließenden Drill mehr Erfolg. 21Pfund hatte der Spiegler und somit mein neuer PB was die Mirrow`s angeht.

Voller Adrenalin und Stolz legten wir uns wieder aufs Ohr, nachdem der Fisch ordnungsgemäß versorgt wurde. Natürlich konnte ich nicht sofort einschlafen und ging den Drill in Gedanken nochmal durch. Nach einiger Zeit fiel ich dann doch der Müdigkeit zum Opfer. Bis(s) um 05:15. Ich stürzte noch im Halbschlaf aus meinem Zelt und sah einen Mann Richtung meinen Ruten laufen. Es war Martin, ein Vereinskamerad, der nach seiner Nachtschicht mir noch einen, wenn auch sehr frühen, Besuch abstatten wollte. Ich erkannte ihn aber in diesem Moment auch nur, da ich ihn fast über den Haufen gerannt hätte.

Als der Fisch auf der Abhakmatte lag, erkannten wir, dass es sich bei diesem 20 Pfünder um einer der wenigen Two Tones im Gewässer handelt.

Nach kurzem Plausch mit „Maddin“, entschied er nach Hause zu fahren und seine Sachen zupacken, so dass er gegen Mittag bei uns zum Angeln eintreffen würde. Ich überließ ihm einen meiner Futterplätze. Allerdings wollte er lieber seine Boilies statt den Carpodroms fischen. Lucas und ich beschlossen kurzerhand noch eine Nacht dranzuhängen, für die Zeit des Fußballspiels aber nach Hause zu fahren. Der Tag verlief ruhig. Gegen 19 Uhr holten wir unsere Ruten aus dem Wasser und machten uns in Fußballstimmung auf den Heimweg. Nach dem Sieg unserer Elf ging es wieder ans Angeln. Martin hatte es sich schon auf seiner Liege bequem gemacht, als wir unsere Ruten neu beköderten.

Nach kurzem Smalltalk wie die Nacht wetter- und fischtechnisch verlaufen würde gingen auch wir in unser Bivy. Die Nacht hielt was der Wetterbericht versprochen hatte und wird mir noch lange Zeit in Erinnerung bleiben. Blitze, Donner, Sturm alles war dabei und alles war gleichzeitig. Als das Unwetter fast vorbei war, schlief auch ich wieder ein.

7:15 Uhr Sonntagmorgen, der nächste Run. Lucas, der nun direkt wach wurde lief zusammen mit seinem Schlafsack J an seine Ruten. Er hängt, rief er mit breitem Grinsen im Gesicht und wickelt sich gleichzeitig aus seinem Schlafsack. Der Sieger dieses Duells hieß Lucas und sein 12 pfünder war auch gleichzeitig sein PB bei den Schuppis. Da ich gegen Mittag zu Hause sein wollte, weil ich Nachtschicht hatte, fingen wir gegen 9:30 Uhr an zu packen. Allerdings konnten wir nur ca. 30 min unserer Arbeit nachgehen, da ein weiterer Karpfen Gefallen an Lucas Purple Haze gefunden hat. Leider hing dieser aber nicht.

Also packten wir weiter zusammen und fuhren gegen 11:30 Uhr heimwärts. Alles in Allem war es ein richtig schönes Wochenende, dass mit 6:4 an uns ging. Man kann sagen, dass wir die richtige Wahl getroffen hatten. Wir erlebten welche Kraft und Schönheit die Natur haben kann und dass wir Menschen letztendlich den Naturgewalten nicht trotzen können.

Leider vergessen viele wer zuerst da war, nämlich die Natur !!

Marc Scheuer

 

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